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Autor:  rio [ So 23. Mär 2014, 22:27 ]
Betreff des Beitrags:  Vom Aussteiger zum Autor

Bis zu seinem Aufbruch ins Ungewisse war Martin Oßbergers Lebenslauf konventionell. Schule und Fußballverein, Chemiestudium und Doktortitel, eine Stelle in einem kleinen pharmazeutischen Unternehmen. Er ist Mitte 30, als er beschließt, das alles hinter sich zu lassen. „Ich hatte den inneren Drang, etwas anderes zu sehen“, erinnert sich der gebürtige Gröbenzeller. Er habe das typisch deutsche Sicherheitsdenken und den gewohnten Komfort aufgeben wollen, um festzustellen: Was brauche ich eigentlich wirklich zum Leben?

Bei der Hilfsorganisation Targeted Aids Integrated (TAI) in Pietermaritzburg arbeitet Oßberger als freiwilliger Helfer mit sieben jungen Männern. Sie sollen Informationen über HIV zusammentragen und daraus ein Lehrbuch machen, das ihre Altersgruppe mehr anspricht als die üblichen Veröffentlichungen zu dem Thema. Oßberger zeigt den schwarzen Jugendlichen, wie man im Internet recherchiert und Interviews führt. „Aber ich war nicht der Weiße, der ihnen sagt, wo’s langgeht“, berichtet er. Er lebt bei einer schwarzen Familie, die ihn in kürzester Zeit wie einen Sohn behandelt. Er bekommt den Namen Sabelo, „vererbtes Geschenk“. In seinem winzingen Zimmer stehen ein Bett und ein Fernseher. Es gibt keine Dusche, nur eine Waschschüssel. Die Weißen, denen er begegnet, warnen ihn vor den Gefahren in den schwarzen Townships - ohne allerdings jemals selbst dort gewesen zu sein. „Es gibt in Südafrika noch immer sehr wenig Kontakt zwischen Schwarz und Weiß“, hat Oßberger festgestellt. Seine eigenen Erfahrungen beschreibt er als „zu 98 Prozent gut“. Einmal wird er überfallen, ein Messerangriff. „Aber daran war ich schon auch selbst schuld. Man muss wissen, wann man wo sein darf und wann nicht.“ Die Täter erbeuten seine Brieftasche, verletzt wird er nicht.

Nach einem halben Jahr Südafrika fährt Oßberger durch zehn Länder an der Westküste des Kontinents entlang nach Norden. In einer Disco in Mosambik beo-bachtet er einen alten Mann („er sah aus wie 200“), der auf der Tanzfläche herumspringt wie ein junger Kerl und dabei im Licht des Stroboskops aussieht wie der Tod. In diesem Moment fällt ihm der Titel für sein Buch ein. Über drei Jahre hat Oßberger an dem fast 350 Seiten starken Werk gearbeitet, vor kurzem ist es erschienen - eine sehr persönliche Schilderung seiner Erlebnisse und Gedanken, gut lesbar, zum Nachdenken anregend und manchmal zum Schmunzeln.

Längst lebt der heute 40-Jährige wieder in München. In seinen alten Beruf ist er nicht zurückgekehrt. „Die Forschung ist gnadenlos, wenn man mal raus ist“, sagt er und wirkt dabei keineswegs deprimiert - auch nicht darüber, dass er im Moment arbeitslos ist. Er schreibt für eine philosophische Zeitschrift, hält Vorträge darüber, was man in Afrika lernen und wie man es im eigenen Alltag nutzen kann. Er selbst hat vor allem eins gelernt, sagt er: Gelassenheit.

Martin Oßbergers Buch
„Der Tod tanzt, Afrika lebt“ ist im Verlagshaus Schlosser erschienen.
Es kostet 17,90 Euro.
ISBN 3869374020.

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